" Die Kenntnis von Kiefergelenkdysfunktionen und ihrer Diagnostik hat sprunghaft zugenommen." Die zahnheilkundigen Berufe zeigen zunehmendes Interesse für neuro-muskulo- skelettale Probleme bei Patienten mit Kopf,- Gesichts- und Nackenbeschwerden und so werden langsam Dysfunktionen des Kausystems mit in die Differenzialdiagnostik chronischer Ohr,- Kopf- und Rückenbeschwerden aufgenommen. "Multifunktionelle Zusammenhänge bei chronischen Schmerzen im Bereich rund um das Ohr, des Nackens, der Schultern und im Frontal- und Temporalbereich des Kopfes mit Strukturen, die zum Kausystem gehören."   (Stelzenmüller 2004)

Die Ursachen der Kiefergelenksdysfunktion sind vielfältig:Die Ursachen der Kiefergelenksdysfunktion sind vielfältig:

  • orthopädische Probleme statischer Natur
  • kieferorthopädische Probleme
  • zahnärztliche Maßnahmen
  • psychogene Ursachen

Basis der Untersuchung und Therapie

Aus funktionellen Gesichtspunkten sollten folgende Grundlagen die Basis der Untersuchung und der Therapie der Kiefergelenkdysfunktionen darstellen.

  • Die Übersicht über die Gesamtstatik der Wirbelsäule
  • Die Zusammenhänge zwischen der HWS- der Schultergürtel- und der Kaumuskulatur
  • Die Funktionsweise des eigentlichen Kiefergelenkes

Zu 1. Gesamtstatik der Wirbelsäule
Die HWS und der Kiefer stellen das distale Ende einer Kette dar über die der Körper Kompensationen einstellen kann. Aus diesem Grund muss immer eine Überprüfung der kompletten Wirbelsäule, als auch der Beckenstellung und der Beinachsen erfolgen. Hierbei kann die HWS oder Kieferproblematik als kompensatorische Folge einer statischen Achsenabweichung erkannt werden (Stelzenmüller 2004)

Zu 2. Die Zusammenhänge zwischen der HWS- der Schultergürtel- und der Kaumuskulatur
Der Kopf erhält seine freie Beweglichkeit durch die biomechanischen Besonderheiten der HWS, insbesondere durch die Kopfgelenke. Dazu muss er ständig als Endglied einer Kette ausbalanciert werden. Überall wo extrem viel Beweglichkeit vorzufinden ist und noch dazu sehr feinmotorische Aktivität gefordert wird, benötigt man einen gut koordinierten und strukturierten Muskelapparat. Dieser ist hinter der Wirbelsäule besonders stark ausgeprägt - das resultiert aus der Tatsache, daß der Schwerpunkt des Kopfes vor der Wirbelsäule liegt. Die dorsal angelegten Muskeln der Halswirbelsäule lassen sich dem Schultergürtel und dem Nacken zuordnen, während die ventrale Muskulatur räumlich und funktionell eng mit der Kaumuskulatur verbunden ist.